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Die Reihe "Junge Quartette des Nordens"
setzte ein Ensemble fort, das sich 1991
zusammenfand, also die Reife eines
Jahrzehnts besitzt. Seine Mitglieder
sind Orchestermusiker und Solisten. Das
Oslo String Quartet zeichnet sich durch
seine energisch zugreifende Spielweise
aus; es verlegt die Kammermusik
sozusagen aus der Kammer in den Konzertsaal. So bildeten zwei kontrastreiche Werke den Schwerpunkt, die Dynamik und temperamentvollen Einsatz fordern.
Das Zwitscherkonzert und die Kuckucksrufe, denen Haydns drittes Streichquartett aus Opus 33 den Namen "Vogelquartett" verdankt, begreifen die Norweger nicht als Imitation von Vogelstimmen, sondern ganz "klassisch" als rhythmische Ereignisse, in denen sich Spontaneität und markante Linienführung anbieten. Jede Gelegenheit zum befreiten, lebenslustigen Musizieren wurde genutzt. Jede kompositorische Besonderheit wurde als Leckerbissen aufbereitet, wie etwa im Scherzo das Thema, das auf der tiefsten Saite zu spielen ist, oder das Duett der beiden Violinen von Geir Inge Lotsberg und Per Kristian Skalstad. Im Rondo des Presto-Finales löste das Ensemble einen mitreißenden Wirbel aus.
Eine ganz andere Welt öffnet Fartein Valens zweites Streichquartett. Der Landsmann der Gäste verband die Errungenschaften der Zweiten Wiener Schule mit Bachs Kontrapunkt und schrieb für den ersten Satz eine Fuge mit zwölftönigem Thema. Hier gingen die Instrumentalisten sorgsam auf die Polyphonie der Stimmen ein, so als fühlten sie sich verpflichtet, Verständnis für die Neuerungen zu wecken. Gleichberechtigt mit den Violinen nahmen Are Sandbakken (Viola) und Oystein Sonstad (Violoncello) das eingängige Thema auf. Sie forderten die Zuhörer geradezu auf, mit Hilfe dieser unbestechlichen Balance an der analytischen Feinarbeit teilzunehmen.
Die Rückkehr zur kraftvollen Interpretation ermöglichten sich die Vier in Beethovens spätem Streichquartett Opus 127. Ihrer auf direkte Wirkung bedachten Darstellung kamen die wendigen Taktwechsel des Scherzo, die Staccato-Variation der Adagio-Melodie und deren straffer Rhythmus weit mehr entgegen als die Gliederung des Eröffnungssatzes durch das kurze Maestoso, das den Gedankenstrom einleitet und zweimal unterbricht. Ungeduldig wischten sie die aufhaltenden Zäsuren beiseite. Andererseits entspann sich im Adagio ein wunderbar luftiger Dialog zwischen der ersten Violine und dem Cello, der souveräne Gelassenheit ausstrahlte. Das Publikum brach schon nach dem dritten Satz in einen Beifallssturm aus. ML
Schwetzinger Zeitung, 22. Mai 2002
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